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Odoo API und Erweiterung: wo im Mittelstand Lücken bleiben
Odoo deckt viel ab, doch eigene Module müssen jede Hauptversion mitwandern, und die alten RPC-Schnittstellen laufen aus. Was das für Betriebe heißt, die neben Odoo Anwendungen brauchen.
Odoo kann im Mittelstand sehr viel, und für viele Betriebe ist es eine gute Wahl. Die Lücken liegen selten in den Apps selbst, sondern an zwei Stellen, die bei der Einführung kaum jemand anspricht: bei den jährlichen Versionssprüngen und bei allem, was außerhalb von Odoo laufen muss.
Was Odoo im Mittelstand gut kann
Odoo bringt Apps für Buchhaltung, Verkauf, Einkauf, Lager, Fertigung und CRM mit, die auf einer gemeinsamen Datenbank arbeiten1. Wer vorher mehrere Programme und eine Handvoll Excel-Listen hatte, bekommt damit zum ersten Mal einen Datenstand für den ganzen Betrieb. Das ist viel wert, und es ist der Grund, warum wir Odoo bei Betrieben in Südhessen und an der Bergstraße regelmäßig antreffen2.
Auch die Erweiterbarkeit ist ein echtes Argument. Odoo wird üblicherweise über Module erweitert, und viele Funktionen und alle Daten sind zusätzlich von außen über eine Programmierschnittstelle erreichbar3. Das ist mehr Offenheit, als manches ältere ERP bietet.
Wer Odoo einsetzt und zufrieden ist, hat also keinen Grund zu wechseln. Es lohnt sich aber, die beiden Stellen zu kennen, an denen es später hakt.
Lücke eins: Versionssprünge und Odoo-Individualentwicklung
Odoo veröffentlicht etwa einmal im Jahr eine neue Hauptversion: 16.0 im Oktober 2022, 17.0 im November 2023, 18.0 im Oktober 20244. Unterstützt und mit Fehlerbehebungen versorgt werden jeweils die letzten drei Hauptversionen4. Für Odoo 17.0 nennt die Herstellerübersicht Oktober 2026 als geplantes Supportende4.
Für Betriebe ohne eigene Module ist das ein überschaubarer Vorgang. Anders sieht es mit Odoo-Individualentwicklung aus. Die Upgrade-Dokumentation von Odoo ist hier deutlich: Enthält eine Datenbank eigene Module, kann sie erst aktualisiert werden, wenn diese Module für die Zielversion vorliegen5.
Jedes Modul, das in Odoo eingreift, muss also mit jeder Hauptversion mitwandern, Jahr für Jahr. In der Praxis führt das dazu, dass Betriebe Versionen überspringen, bis der Support ausläuft, und dann unter Zeitdruck nachziehen2.
Lücke zwei: Anwendungen außerhalb von Odoo
Die zweite Lücke ist weniger technisch. Odoo ist ein System für Leute, die mit Odoo arbeiten. Sobald jemand ohne Odoo-Zugang mitarbeiten soll, wird es eng: der Monteur mit dem Tablet in der Halle ohne stabiles Netz, der Kunde, der Prüfunterlagen zu seinem Auftrag abrufen will, oder ein KI-Assistent, der Lieferantendokumente liest.
Solche Anwendungen lassen sich in Odoo hineinbauen. Sinnvoll ist das oft nicht, weil sie eine eigene Oberfläche, eigene Nutzer und manchmal einen anderen Takt brauchen als das ERP. Nach unserer Erfahrung bauen Odoo-Dienstleister vor allem Module innerhalb von Odoo und selten eigenständige Anwendungen daneben2. Dazwischen entsteht die Lücke, die dann mit Excel oder Papier gefüllt wird.
Odoo API: JSON-RPC, XML-RPC und der neue Weg
Wer eine Anwendung neben Odoo baut, spricht über die externe Schnittstelle mit Odoo. Hier ändert sich gerade einiges. Die bisherigen Schnittstellen über XML-RPC und JSON-RPC an den Endpunkten /xmlrpc, /xmlrpc/2 und /jsonrpc sollen laut Odoo-Dokumentation mit Odoo 22 im Herbst 2028 entfallen3. Als Ersatz dient die External JSON-2 API3. Wer Odoo Online nutzt, ist früher dran: Dort ist der Wegfall bereits für die Version 21.1 im Winter 2027 angekündigt3.
Die JSON-2 API ist mit Version 19.0 neu hinzugekommen und arbeitet mit einem API-Schlüssel, der im Kopf jeder Anfrage mitgeschickt wird6. Für Integrationen, die heute entstehen, ist die Sache damit klar: direkt gegen die JSON-2 API bauen, nicht gegen die alten Endpunkte. Bestehende Anbindungen gehören auf die Liste, bevor die alten Endpunkte abgeschaltet werden.
Ein Punkt wird oft übersehen. Der Zugriff über die externe Schnittstelle ist laut Hersteller nur in den Custom-Tarifen enthalten, nicht in den Tarifen One App Free und Standard6. Bevor Sie eine Anwendung neben Odoo planen, prüfen Sie also Ihren Tarif.
Odoo-Erweiterung innen oder außen: eine Faustregel
Was nur Odoo-Benutzer in Odoo brauchen, gehört als Modul hinein, möglichst schlank. Was eigene Nutzer, eine eigene Oberfläche oder Offline-Fähigkeit braucht, gehört nach außen und spricht über die Schnittstelle mit Odoo.
Ein typischer Fall aus der Fertigung: Arbeitsschritte je Artikelgruppe, Unterschrift auf dem Tablet, Zeitstempel und ein PDF bei Abschluss. Als Odoo-Modul müsste diese Logik mit jeder Hauptversion mitwandern. Als eigene Anwendung liest sie den Fertigungsauftrag über die Schnittstelle, arbeitet in der Halle auch ohne Netz und meldet die Zeiten als Buchung an Odoo zurück.
Der Vorteil der zweiten Variante zeigt sich beim nächsten Versionssprung. Eine Anwendung außerhalb muss dann nur ihre Anbindung prüfen, nicht ihren ganzen Code2. Welche Fehler bei solchen Anbindungen typisch sind, beschreibt Die fünf häufigsten Fehler bei der API-Integration.
Machen Sie eine Liste aller eigenen Module und aller Anbindungen an Ihr Odoo, und notieren Sie zu jeder Anbindung, ob sie noch über /xmlrpc oder /jsonrpc läuft. Mit dieser Liste schauen wir im Potenzial-Check gemeinsam, was in Odoo bleiben sollte und was daneben besser aufgehoben ist.
