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KI für Entscheider | Teil 1: Warum „mit KI gebaut" noch keine Software ist
Die besten Handwerker des Landes auf der Baustelle, aber kein Bauleiter: So entsteht Software per Vibe Coding. Fünf Fragen zeigen Ihnen, ob Ihre Anwendung trägt oder nur funktioniert.

KI-Werkzeuge wie Claude Code und Cursor erzeugen in Stunden Anwendungen, die funktionieren. Ob eine Anwendung auch trägt, wenn Kunden, Daten und Schnittstellen dazukommen, entscheidet sich vorher, in der Architektur, und genau dort fehlt beim sogenannten Vibe Coding der Verantwortliche.
Die Geschwindigkeit verdeckt den Unterschied
Was früher Wochen dauerte, entsteht heute aus wenigen Prompts. Das ist keine Übertreibung, das ist Alltag, auch bei uns. Das Problem liegt woanders: Die Geschwindigkeit verdeckt den Unterschied zwischen einer Anwendung, die funktioniert, und einer, die trägt. Wer ihn nicht kennt, baut sich heute den Altlast-Albtraum von übermorgen, mit Ansage.
Die Analogie: Jeder kann ein Haus bauen lassen
Stellen Sie sich vor, jeder könnte sich mit wenigen Klicks die besten Handwerker des Landes auf die Baustelle holen. Sie sagen: „Baut mir ein Haus mit drei Schlafzimmern, offener Küche, Kamin und Garage." Die Handwerker legen los, kurz darauf steht das Haus, es sieht aus wie bestellt, Sie ziehen ein.
Nach zwei Wintern reißt das Fundament, weil niemand den Baugrund geprüft hat. Im Bad wächst Schimmel, weil der Estrich nicht trocknen durfte. Das Bauamt schickt eine Rückbauverfügung, weil die Genehmigung fehlt.
Jetzt derselbe Bau mit einem erfahrenen Bauleiter, der denselben Handwerkern sagt: Baugrund prüfen. Bodenplatte mit korrekter Bewehrung. Abdichtung kontrollieren, bevor es höher geht. Statik nach Berechnung. Rohinstallation vor dem Putz. Estrich austrocknen lassen. Dichtheitsprüfung vor der Abnahme. Gleiche Handwerker, komplett anderes Haus.
Das ist der Unterschied zwischen Vibe Coding und Software Engineering mit KI.
Was KI-Werkzeuge sind und was nicht
Claude Code und Cursor sind keine Bauleiter. Sie sind die besten Handwerker, die Sie je hatten: sauberer Code, alle gängigen Frameworks, rund um die Uhr. Drei Eigenschaften sollten Sie als Entscheider trotzdem kennen.
Sie bauen, was man ihnen sagt, nicht, was nötig wäre. Wünschen Sie eine Kundenverwaltung ohne Mandantenfähigkeit, bekommen Sie genau das, auch wenn Sie in zwei Jahren einen zweiten Mandanten brauchen.
Sie planen für den Durchschnitt. Die KI schlägt vor, was in ihren Trainingsdaten am häufigsten vorkam. Hat Ihr Unternehmen eine Besonderheit, etwa einen Compliance-Rahmen oder eine Altsystem-Anbindung, berücksichtigt sie das nicht von selbst.
Sie widersprechen nicht. Ein erfahrener Architekt sagt: „Machbar, aber in zwei Jahren teuer, lassen Sie uns das anders lösen." Die KI sagt: „Klingt gut, hier ist die Umsetzung."
Die KI ist ein hervorragender Junior. Sie braucht einen Senior, der ihre Vorschläge hinterfragt. Der Vibe Coder hat diesen Senior nicht. Er ist der Senior und merkt nicht, dass er es nicht ist.
Warum scheitern Digitalisierungsprojekte, die mit KI gebaut wurden?
Zwei Verläufe, die wir in ähnlicher Form immer wieder sehen.
Ein junges Unternehmen baut in kurzer Zeit eine Buchungsplattform per Vibe Coding. Erste Kunden zahlen, die Stimmung ist gut. Dann soll eine zweite Sprache dazu, aber die Texte sind fest im Code verankert. Dann kommt der erste Firmenkunde mit Datenschutzprüfung: kein Datenexport, keine Zugriffsprotokolle, kein Rollenkonzept, der Kunde springt ab. Dann verdoppelt sich die Nutzerzahl, die Anwendung wird langsam, und niemand versteht den Code gut genug, um ihn sauber zu reparieren. Am Ende steht der Neubau. Die anfangs gesparten Tage kosten am Ende Monate und einen erheblichen Betrag.
Ein Mittelständler lässt sich per Vibe Coding ein internes Werkzeug zur Auftragsverwaltung bauen. Es funktioniert, wird genutzt, wächst. Als eine Schnittstelle zum ERP gewünscht wird, zeigt sich: Datenbank, Logik und Oberfläche sind miteinander verflochten, jede Änderung bricht etwas anderes. Der Mitarbeiter, der das Werkzeug „mit KI gebaut hat", ist nicht mehr im Haus. Kein Test, keine Dokumentation, keine Architekturentscheidung. Niemand traut sich heran, und die Firma zahlt für ein Werkzeug, das eingefroren ist.
Fünf Fragen, die Engineering von Vibe Coding trennen
Egal, wer für Sie baut: Diese Fragen zeigen, was Sie bezahlt haben.
Wurde die Architektur geplant, bevor der erste Code entstand? „Die KI hat das schon richtig gemacht" heißt: nein.
Gibt es automatisierte Tests? Ohne Tests ist jede Änderung ein Risiko.
Ist die Anwendung in Schichten getrennt? Datenbank, Geschäftslogik, Schnittstellen und Oberfläche müssen unabhängig voneinander sein.
Wie wird mit Fehlern, Daten und Sicherheit umgegangen? Protokollierung, Überwachung, Backups, Verschlüsselung, Zugriffskontrolle. „Das macht die KI schon" heißt: gar nicht.
Kann jemand anderes die Anwendung übernehmen? Oder hängt alles an einer Person und einem Chatverlauf, den niemand nachvollziehen kann?
Bleiben mehrere Fragen ohne klare Antwort, haben Sie Vibe Coding bezahlt.
Wann Vibe Coding in Ordnung ist
Vibe Coding ist ein gutes Werkzeug für Prototypen, die danach weggeworfen werden, für persönliche Hilfsmittel, die niemand sonst pflegen muss, und für Experimente, mit denen Sie eine Idee prüfen. Gefährlich wird es, sobald die Software Kunden bedient, Geschäftsprozesse trägt, personenbezogene Daten verarbeitet, mit anderen Systemen verbunden ist oder länger leben soll als ein Experiment. Die Faustregel: Können Sie sich vorstellen, die Anwendung in zwei Jahren neu zu bauen, ist Vibe Coding in Ordnung. Wenn nicht, brauchen Sie Engineering.
Wie dataso mit KI entwickelt
Wir nutzen dieselben Werkzeuge wie alle anderen, und sie machen uns schneller. Der Unterschied liegt in dem, was vor dem ersten Prompt passiert: Architektur, Datenmodell, Schnittstellen, Zuständigkeiten, Testplan, Betriebsmodell. Die KI setzt den Plan um. Sie ist nicht der Plan.
Stellen Sie die fünf Fragen der Person oder dem Dienstleister, der Ihre letzte Anwendung gebaut hat, und notieren Sie die Antworten. Wenn Sie danach unsicher sind, ob Ihre nächste Anwendung Vibe Coding oder Engineering wird, bringen Sie die Antworten in den Potenzial-Check: eine halbe Stunde, kostenlos, mit ehrlicher Einschätzung, auch wenn sie unbequem ist. Potenzial-Check buchen