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Insights

Von der Preisvolatilität zur Planungssicherheit: Wie Echtzeit-Marktdaten im ERP die Rohstoffbeschaffung verbessern

Der Markt bewegt sich täglich, das ERP wird wöchentlich gefüttert, dazwischen liegt die Marge. Wie Marktdaten per Schnittstelle in die Beschaffung fließen und welche Regeln daraus Entscheidungen machen.

Dawid SochackiVeröffentlicht am Aktualisiert am 4 Min Lesezeit
Von der Preisvolatilität zur Planungssicherheit: Wie Echtzeit-Datenintegration die Rohstoffbeschaffung optimiert

Echtzeit-Datenintegration in der Rohstoffbeschaffung bringt Marktpreise direkt in das ERP-System, statt sie wöchentlich aus einem Portal abzuschreiben. Für Einkaufsleitungen in der Lebensmittelindustrie ist das der Hebel, mit dem aus Preisschwankungen bei Weizen, Kaffee oder Zucker wieder planbare Entscheidungen werden.

Warum Rohstoff- und Preisinformationen im Einkauf zu spät ankommen

In vielen Betrieben trifft der Einkauf seine Entscheidungen auf Preislisten, die beim Eintreffen schon veraltet sind. Der Markt bewegt sich täglich, das ERP wird wöchentlich gefüttert, und dazwischen liegt die Marge. Ein typischer Fall: Ein Lebensmittelhersteller verpasst einen günstigen Einstieg bei Kaffeebohnen, weil der aktuelle Preis erst am Montag im System steht, und kauft später deutlich teurer. Nicht aus Unkenntnis, sondern weil die Information den Weg vom Markt zum Entscheider nicht rechtzeitig geschafft hat.

Wie die Anbindung einer Marktdatenplattform an das ERP gelingt

Schritt eins: Marktdaten per Schnittstelle einlesen

Spezialisierte Marktdatenplattformen liefern Preise, Terminkontrakte und Fundamentaldaten für Agrarrohstoffe über REST-Schnittstellen in standardisierten Formaten. Für Mahlweizen ist der Terminmarkt der Euronext die übliche Referenz. Die Daten laufen in kurzen Abständen in das Beschaffungsmodul des ERP, und der Einkauf sieht auf einen Blick, ob der aktuelle Preis unter dem gleitenden Durchschnitt der letzten Wochen liegt.

Schritt zwei: Aufbereitung in einer Datenschicht

Rohdaten gehören nicht direkt ins ERP. Eine eigene Datenschicht zwischen Schnittstelle und ERP rechnet Währungen um, passt Lieferbedingungen an, gleicht Einheiten ab und reichert die Preise mit historischen Vergleichen an. Dort werden die Marktdaten mit den eigenen Beständen verknüpft. Das ERP meldet dann, wenn der Rohstoffpreis unter den internen Zielpreis fällt, und legt gleich einen Bestellvorschlag an.

Schritt drei: Entscheidungsregeln im ERP hinterlegen

Der eigentliche Gewinn entsteht, wenn Echtzeitdaten auf hinterlegte Regeln treffen. Statt täglicher Preisprüfung von Hand definiert die Einkaufsleitung Schwellen und Aktionen: Fällt der Weizenpreis unter den Zielpreis und sinkt die Lagerreichweite unter die Mindestreichweite, wird ein Bestellvorschlag mit Menge und Liefertermin erzeugt. Die Freigabe bleibt beim Menschen. Ein Hersteller, der so arbeitet, vermeidet Käufe auf der Preisspitze, weil das System die Tiefs sichtbar macht, statt sie dem Zufall zu überlassen.

Technische Voraussetzungen

Ausfallsichere Schnittstelle

Jede Unterbrechung der Marktdaten kann zu Fehlentscheidungen führen. Auf Unternehmensseite gehört deshalb ein API-Gateway dazwischen, das Antworten zwischenspeichert und bei einem Ausfall der Plattform auf den letzten gültigen Stand zurückgreift. Die Beschaffungslogik bleibt handlungsfähig, mit dem Hinweis, dass die Daten nicht aktuell sind.

Plausibilität prüfen

Echtzeitdaten sind nur wertvoll, wenn sie stimmen. Die Integration prüft, ob ein gelieferter Preis in einer definierten Spanne zum Vortag liegt. Weicht er zu stark ab, wird die Aktualisierung zurückgehalten und ein Mensch schaut hin. Diese Prüfung hat in einem Betrieb, den wir kennen, eine Fehlbuchung verhindert, als eine Schnittstelle einen um ein Vielfaches zu hohen Preis lieferte.

Altsysteme anbinden

Auch ältere ERP-Systeme lassen sich anbinden. Dafür übersetzt eine Zwischenschicht die Schnittstellendaten in das Format des Altsystems, etwa in die Belegformate eines SAP-Systems. Wir haben solche Anbindungen mehrfach über einen separaten Integrationsserver umgesetzt, ohne das bestehende System zu verändern. Wie das Muster grundsätzlich funktioniert, steht im Beitrag Legacy-ERP modernisieren: Web-App anbinden.

Häufige Fragen

Welche Marktdatenplattformen eignen sich?

Plattformen mit dokumentierter Schnittstelle für die Rohstoffe, die Sie tatsächlich beschaffen: Agrarrohstoffe, Lebensmittelzutaten oder Energie. Entscheidend ist weniger der Anbieter als die Frage, ob die Daten in dem Takt und Format kommen, das Ihre Entscheidungsregeln brauchen.

Wie hoch ist der Aufwand?

Er hängt vom ERP und der Zahl der Rohstoffe ab. Eine erste Anbindung mit einem Rohstoff und wenigen Regeln ist überschaubar; die Datenschicht und die Plausibilitätsprüfung sind der Teil, der Sorgfalt braucht. Die Lizenz der Plattform kommt hinzu und ist vorher zu klären.

Welche Risiken bestehen bei automatisierter Beschaffung?

Die Abhängigkeit von der Datenqualität der Quelle. Falsche Preise oder Ausfälle können Fehlkäufe auslösen, deshalb gehören Plausibilitätsprüfung und Freigabeschwellen für große Mengen dazu. Automatisieren Sie nur standardisierte Rohstoffe mit liquiden Märkten; bei Nischenprodukten bleibt die Entscheidung beim Menschen.

Suchen Sie den Rohstoff heraus, bei dem Sie im letzten Jahr am deutlichsten neben dem Markt gekauft haben, und notieren Sie, wie der Preis damals ins System kam. Mit diesem Fall zeigen wir Ihnen im Potenzial-Check, eine halbe Stunde, kostenlos, wie eine Anbindung an Ihr ERP aussähe und welche Regel den Fehlkauf verhindert hätte. Potenzial-Check buchen

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